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Predigt zu Phil 1, 1-11, am 22.Sonntag nach Trinitatis

Pfarrerin Susanne Jung

 

 

2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn Jesus Christus!

Hören wir das Predigtwort für den heutigen Sonntag im Philipperbrief im 1.Kapitel:

11 Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, an alle Heiligen in Christus Jesus in Philippi samt den Bischöfen und Diakonen:

3 Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke –

4 was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden –,

5 für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute;

6 und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.

7 Wie es denn recht und billig ist, dass ich so von euch allen denke, weil ich euch in meinem Herzen habe, die ihr alle mit mir an der Gnade teilhabt in meiner Gefangenschaft und wenn ich das Evangelium verteidige und bekräftige.

8 Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Christus Jesus.

9 Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung,

10 sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi,

11 erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Ehre und zum Lobe Gottes.

 

Soweit die Worte des Paulus aus dem Brief an die Philipper im 1. Kapitel.

Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi, einer Gemeinde, mit der ihn eine besonders enge Beziehung verbindet. War es doch schließlich die erste auf europäischen Boden. Vielleicht erinnern Sie sich ja an die Geschichte mit Lydia, der Purpurhändlerin. Hier hören wir im Briefanfang, wie es ihn aus dem Gefängnis heraus nach den Menschen in Philippi verlangt und wie sehr er an sie denkt.

Seine Worte sind aber für uns heute nicht immer gleich beim ersten Hören zu verstehen.

Wäre es da nicht schön, mit dem Apostel einmal darüber ins Gespräch kommen. Deshalb stelle ich mir vor, dass er hier bei uns in der Wilhermsdorfer Hauptkirche wäre und wir ihm ein paar Fragen stellen könnten und lade Sie ein, sich auf diese fiktive Begegnung mit einzulassen. Was würde er wohl antworten? Hören wir mal:

Lieber Paulus, mir fällt auf, dass du an die Philipper sehr freundschaftlich, geradezu liebevoll schreibst. Sonst sind deine Briefe an die Gemeinden kritischer. Wie kommt das?

Ja, zu der Gemeinde in Philippi hatte ich eine besonders enge Beziehung gehabt. Sie war die erste, die ich in Europa gegründet hatte, und es entstand ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis. Ständig war ich in Briefkontakt mit ihnen. Es war die einzige Gemeinde, von der ich mich finanziell unterstützen ließ, weil ich ihnen vertraute.

3 Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke –

Du scheinst die Menschen in Philippi sehr ins Herz geschlossen zu haben. Das klingt so positiv und Du ermunterst die Gemeinde, auf dem Weg, den sie schon eingeschlagen haben, weiterzugehen.

A: Ja! Vieles lief gut in Philippi, und ich wollte die Menschen dort stärken und aufbauen. Das Lob ist mir wichtig, dann merken sie, wie sehr ich sie schätze und bemühen sich, noch vollkommener zu werden.

Kannst du uns dafür ein Beispiel geben?  

A: Ich habe geschrieben: „Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung". Ich wusste, dass die Gemeindemitglieder liebevoll miteinander umgingen und einander unterstützen, jedenfalls die meisten. Aber es gab einige, über die die anderen gerne kritische oder sogar abfällige Bemerkungen machten, wenn sie gerade nicht dabei waren. Mich ärgerte, dass sie sich nicht trauten, das den Betreffenden direkt zu sagen, sondern nur hinter deren Rücken ihrem Ärger Luft machten. Ich finde, Christen sollten direkter und mutiger sein, denn nur so können Missverständnisse und Missstimmungen vermieden werden.

Ich verstehe. Paulus, wie würdest du denn die Situation in unserer Gemeinde beurteilen? Was wäre aus deiner Sicht schon gut gelungen?

Nun - Ich bin ja jetzt kein Experte für eure Gemeinde und eure Zeit ist mir ehrlich gesagt auch ein wenig fremd. Aber mit dem Blick von außen würde ich sagen: Eindrucksvoll ist, was ihr alles schon auf die Beine gestellt habt. Ihr kennt euch gut, oft schon seit Jahrzehnten, und habt viel miteinander erlebt. Einer hat dabei den anderen unterstützt und ihm zur Seite gestanden, wenn es ihm schlecht ging. Eure schöne Kirche, zu der ihr auch einen Bezug habt mit einem wunderbaren Festjahr. Jetzt kommt auch noch ein entsprechendes Gemeindezentrum auf den Weg…

Gibt es noch mehr, was dir positiv auffällt?

Durchaus … Vielen ist der Gottesdienst wichtig. Er ist ja auch das Zentrum des Gemeindelebens. Sich treffen, gemeinsam beten, singen, die Texte aus der Bibel hören und die Auslegungen dazu – ohne das wird Gemeindeleben schnell seiner Substanz beraubt. Das ist wichtig

Da hast du ins Schwarze getroffen. Viele in unserer Gemeinde nehmen den Glauben an Gott ernst, er ist eine wichtige Frage in ihrem Leben. - Aber gibt es auch Dinge, die wir deiner Meinung nach verbessern sollten, damit, wie du es formuliert hast, unsere Liebe immer noch reicher an Erkenntnis und Erfahrung werden kann?

Ach ich denke, ihr habt so viele Gelegenheiten und Möglichkeiten, Glauben zu gestalten. So viele unterschiedliche Frömmigkeitsformen und auch Glaubensrichtungen, die sich doch an den einen Gott wenden. Tauscht euch aus. Bleibt neugierig. Ein verständnisvolles und freundliches Miteinander, ohne dabei das Eigene aufzugeben – darin liegt für euch eine große Chance. Ergreift sie. Und nehmt die mit auf, die neu zu euch kommen, die hier bauen und ein zu Hause finden wollen. Verliert euch nicht in euren eigenen Kreisen.

Das klingt einleuchtend, aber wie könnte das konkret aussehen?

Na ja, ich hätte da schon eine ganze Menge guter Ideen, wie man die Menschen ansprechen kann. Aber ich glaube, dass ihr da selber ein besseres Gespür dafür habt, wie und was man hier in Wilhermsdorf angehen kann und sollte.

Klingt gut. Hoffentlich erreichen wir dann auch, dass mehr Menschen in die Kirche kommen...

Bestimmt, aber darauf sollte man sich nicht versteifen und nicht gleich enttäuscht sein, wenn zum nächsten Gottesdienst keiner von ihnen erscheint. Es ist doch schon ein Erfolg, wenn man sich bei einem Fest – vielleicht irgendwann das Richtfest für das neue Gemeindezentrum – kennen lernt, wenn es gefallen hat und man etwas voneinander erfahren hat. Das andere wächst mit der Zeit. Gottes Geist tut das Seine mit dazu. Vertraut darauf.

Ja, du hast Recht, aber manchmal bin ich so ungeduldig und will sehen, dass sich etwas gelohnt hat. Fallen dir noch mehr ein?

Nutzt doch einfach, was ihr habt. Da entstehen neue Gemeinderäume. Informiert und lasst die Menschen teilhaben, an dem, was da dann passieren kann. Nutzt das gottesdienstliche Leben und nehmt sie mit hinein.

Vor allem lasst euch nicht entmutigen. Vielleicht müsst ihr dann etwas anderes ausprobieren. Traut euch, eure eigenen Erfahrungen zu machen! Und habt Geduld.

Das erinnert mich daran, wie dein Satz im Philipperbrief weitergeht: „Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, so dass ihr prüfen könnt, was das Beste sei." Wenn wir prüfen wollen, was das Beste ist, müssen wir Dinge ausprobieren und sie danach auswerten, um festzustellen, was gut war und was nicht gut gelaufen ist. Erst mal müssen wir uns trauen, etwas auf die Beine zu stellen und dann auch bereit sein, Kritik zu üben.

Damit seid ihr schon auf einem guten Weg. Denkt bei allem daran, dass es um Gott geht und dass er selbst auch Dinge bewirken wird. Ihr könnt darauf vertrauen, dass er auf seine Weise etwas bewegt und das vervollständigt, was ihr anfangt. Wenn ihr euch darauf verlasst, werden euch Rückschläge nicht gleich entmutigen. Und euch wird deutlich: Was ihr hier in eurer Gemeinde baut, ist ein kleiner Teil von Gottes Gemeinde, die Menschen in der ganzen Welt umfasst.

Lieber Paulus. Ich danke dir für deine Worte. Wenn ich daran denke, dass du in der Zeit, als dieser Brief entstand im Gefängnis warst, dann werde sie mir umso wichtiger und einprägsamer. Leicht hättest du auch jammern und klagen können über dein Los. Stattdessen aber ermutigst du die Philipper und steckst auch uns heute an mit deiner Begeisterung. Woher nur kommt deine Stärke?

was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden – erinnerst du dich an diesen Satz in meinem Brief. Ich glaube es ist die feste und kontinuierliche Verbindung mit Gott im Gebet, die innerlich stark machen kann und Gemeinde lebendig macht.

Ja und ich erinnere mich auch, dass du gesagt hast::                                                   „ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Das mag unsere Richtschnur sein. Unsere Hoffnung und auch unsere Zuversicht. Gegründet in dem, der sie uns mit seinem Sieg über den Tod erkauft hat – Jesus Christus.

Das ist ein schönes Schlusswort. Dem möchte ich gar nichts mehr hinzufügen. Möge diese Hoffnung auch eure Gemeinde weiter tragen auf ihrem Weg, den Gott ihr bestimmt hat.

Ich werde mich jetzt von euch verabschieden. Ich wünsche euch alles Gute mit einem Segensspruch, den ich auch an die anderen Philipper geschrieben habe:

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,

bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.                  (Phil.4,7)

 

 

 

 

 

(Predigtidee nach einer Predigt von Luise Stribrny de Estrada)

 

 

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