HomeDas Festjahr 2014
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Unser Festjahr war toll,

deswegen haben wir unseren Flyer und ein paar Bilder

noch ein wenig auf unserer Seite gelassen.

Vielen Dank allen, die mitgemacht haben.

 

 

 

Festjahr

 

 

Ein schönes und ereignisreiches Wochenende

Am 20. Und 21.September durften wir in unserer Kirchengemeinde ein traumhaftes Festwochenende erleben.

Der grandiose und kurzweilige Festabend mit einer spritzigen Moderation, herzlichen Grußworten, wunderschöner Musik, lustigen Sketschen und edlen Barocktänzen hat in der ansprechend dekorierten Turn- besser Festhalle schon alle mitgerissen.

In einer, bis auf den allerletzten Platz gefüllten Kirche haben wir dann einen würdigen Festgottesdienst feiern dürfen, gekrönt durch den Besuch und die Festpredigt von Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm. (Sie können Sie unter "Texte und Predigten" hier nachlesen)

Bei dem ansprechend vorbereiteten historischen Handwerkermarkt um die Kirche haben dann nicht einmal die regnerisch durchwachsenen Wetterverhältnisse Besucher davon abhalten können, zu kommen. Der war ein voller Erfolg.

Ebenso, wie das fulminante Orgelkonzert, das punktgenau um 17:14 Uhr begonnen hat (in Anlehnung an das Jahr 1714)

Ein herzliches Dankeschön allen, die mit ihrem Engagement, Tatkraft und Kreativität zum Gelingen dieses Wochenendes beigetragen haben.

Diese zwei Tage waren ein Geschenk

 

 

Genießen Sie hier ein paar Eindrücke von unserem Festwochenende mit dem Besuch des Landesbischofs Prof. Heinrich Bedford-Strohm. Wir haben diese zwei Tage auch sehr genossen:


DSC02700 sz Kinder singen für Landesbischof 2                                   DSC02857 sz Landesbischof unterwegs in Wilh 2

Kinder singen zum Anfang des Gottesdienstes                                                            Landesbischof Heinrich Bedford Strohm unterwegs in Wilhermsdorf

 

 

DSC02820 sz Bibel der Gräfin mit Abendmahlskelch und Kirchenschlüssel 2                                  DSC02843 sz Eintrag ins Goldene Buch
Historische Bibel und goldener Abendmahlskelch auf dem Altar                         Eintrag ins Goldene Buch
 

    

  
 
                  
 
                     
                                                                    
   
                    
                                      Eindrücke vom   Orgelkonzert                                                                             Gaukler auf dem historischen Handwerkermarkt
  

 

 

DSC02965 sz Andacht in der Gruft mit Pfr  2  

 

Andacht in der Gruft

 

 

 

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Hier die Festpredigten zum Nachlesen

 

 

Erntedankpredigt von Dekan Schuster / Langenzenn in der Hauptkirche in Wilhermsdorf

über 2. Kor.9,6-15:

Das größte Geschenk ist die Haltung der Dankbarkeit

Einige Teile sind in Stichpunkten formuliert, welche die Gottesdienstbesucher sicherlich einordnen können. Wenn Sie die Predigt noch einmal hören möchten, können Sie gerne im Pfarramt nachfragen. Wir haben eine Audio-CD erstellt.

 

Was war Ihr größtes Geschenk? Was war mein größtes Geschenk?

a) Meine Oma: teilte Zeit, Freude, Wissen (Gedichte), Werte, Taschengeld, Glauben
b) Unfall überlebte Überschlag im VW-Käfer ohne Verletzung. Neues Leben wurde mir geschenkt, Gott dankbar für Bewahrung.

c) Mein erstes Kind: Überwältigendes Geschenk

Was ist ihr größtes Geschenk? ….

Wie viel bekommen wir geschenkt? Das ist die Frage, die uns das Erntedankfest stellt.

Jahr um Jahr treten wir am ersten Sonntag im Oktober vor einen geschmückten Altar, um den herum die Erntegaben ausgebreitet sind. Früchte und Erträge aus Feld und Garten, gegeben als Zeichen des Dankes für das, was wir ernten konnten. Wir haben auch in diesem Jahr Anlass, Dank zu sagen. Nicht nur für die Ernte auf den Feldern, dass wir reichlich Nahrung haben, sondern auch für Wohlstand, Freiheit und Sicherheit, die uns geschenkt sind.

Der Predigttext sagt viel über das Beschenkt–Werden und das Geben.

Manchmal denke ich mir, das Entscheidende am Schenken ist nicht das Geschenk, sondern die Haltung:

Geschichte vom Fürsten und dem alten Mann, der Apfelbäume pflanzte, die er nie mehr abernten konnte. Auf die Frage, warum er dies tue, antwortete er: „Ich bin so reich beschenkt worden, dass ich meinen Nachfahren etwas davon weitergeben möchte“. Was war das größte Geschenk? Die Haltung der Dankbarkeit war das größte Geschenk: Ich bin beschenkt worden, ich schenke auch wieder weiter. Er war glücklich im Alter, trotz Altersbeschwerden.

Die Haltung des Fürsten findet sich heute vielfach: Einen fröhlichen Nehmer hat die Zeit lieb! Immer mehr – das erlebe ich nämlich leider oft nur als Forderung. Mehr Geld, mehr Freizeit, mehr Unterhaltung. Immer mehr für mich selbst – aber immer weniger für andere, immer weniger für die Solidargemeinschaft.

Der Predigttext spricht hier von einer anderen Haltung: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Die Frage ist: Geben wir das, was wir immer noch reichlich haben, so weiter, dass auch den nachfolgenden Generationen davon genug bleibt? Nicht nur die greifbaren Güter wie Nahrung, sondern auch das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit, Liebe? Gibt es ein besseres „Danke“ für all das, was uns zufällt, als wenn wir es mit anderen Menschen teilen? Der Volksmund hat den Ausdruck dafür: Geteilte Freude ist doppelte Freude. Die Bibel sagt: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gemeint ist dasselbe.

Aber auch das will ich bedenken: An den Tagen an denen es uns gut geht, an denen uns alles gelingt, was wir uns vorgenommen haben, und an denen sich alle Dinge zum Besten fügen, ist es nicht besonders schwer, sich als von Gott beschenkter Mensch zu fühlen und das zu leben: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“.

Schwierig wird es erst, wenn alles ganz anders kommt. Wenn die Dinge nicht so sind wie sie sein sollten, wenn uns großes Leid überfallt. Wenn uns immer starker das Gefühl beherrscht: „Mir wird gar nichts geschenkt, ich muss mir alles selbst erkämpfen.“ Dann wird das Herz eng und in dieser Situation ausgerechnet noch an Andere zu denken, wird schwierig.

Gleichzeitig spüren wir ganz deutlich, dass diese Engführung uns ärmer macht. Ärmer an Freude am Leben, ärmer an Wärme durch Mitmenschlichkeit, ärmer an heiterer Gelassenheit.

Aber wie kommt man da wieder raus, ohne sich selbst etwas vorzumachen?

Fränkische Version: „Nunderwärts schauen“. „Also den anderen geht's noch schlechter."

Hier lohnt es sich noch einmal daran zu erinnern, das Paulus nicht umsonst das Bild von Saat und Ernte nutzt: „Gott aber, der dem Sämann Saat und Brot schenkt, wird auch euch Saatgut geben. Er wird es wachsen lassen und dafür sorgen, dass eure Opferbereitschaft Früchte trägt.“

Was könnte denn so ein kleines Samenkorn sein, das Gott in unser Leben legt? Freude, Glück, Zuversicht, oder auch Gelassenheit. Dabei spielt es durchaus eine Rolle, ob wir wirklich zur Saat bereit sind, ob wir die kleinen und großen Geschenke Gottes entdecken:

Die Freude beim Aufstehen, dass mir ein neuer Tag geschenkt, mündet in ein Morgengebet. Die Dankbarkeit beim Frühstück über die Gaben, die mich satt machen formuliere ich mit einem Tischgebet. Die Erleichterung, dass ich trotz der Zeitungsmeldungen nicht missmutig werde; die Dankbarkeit, dass ich einen Beruf habe, der mir Sinn schenkt und auch Freude macht. Die Bewahrung auf der Straße, dass es nur ein Beinaheunfall war, lässt mich ein Stoßgebet sprechen. Die Menschen, die mir am Tag begegnen und mir freundlich zulächeln. Die Kinder im Kindergarten, die sich über meine bloße Existenz freuen und mir zuwinken. Der Gang zum Büro über den wunderschönen Kreuzgang und Klosterhof mit dem sattgrünen Gras. Der kurze Moment der Stille. Das gemeinsame Lachen, Essen, Austauschen, Unternehmen in der Familie. Eine Seniorin sagt zu mir: Ich bin reich, ich habe ein Dach über dem Kopf und ein warmes Bett, das haben viele nicht.“ Alles Selbstverständlichkeiten und doch Zeichen der Liebe Gottes.

Unser Dank–Altar soll ein Zeichen sein. Aber dies Zeichen braucht auch eine Entsprechung in meinem Leben. Und unser Dank–Altar gehört mitten in unsere Gesellschaft – als Zeichen, Aufforderung, Impuls. Das größte Geschenk ist die Haltung der Dankbarkeit.

Wer weitergibt von dem, was er empfängt, wer andere an seiner Freude teilhaben lässt, der wird selbst wieder zum Beschenkten. Und dann wird das wahr, was Paulus schreibt: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Wer viel sät, der wird auch viel ernten“.

Amen.

 

 

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Festgottesdienst zum 300jährigen Bestehen der Hauptkirche am 21.9.2014

Predigt von Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm

 

Liebe Gemeinde, es ist der 14. Sonntag nach Trinitatis, an dem wir heute Gottesdienst feiern. Genau an diesem Sonntag im Kirchenjahr vor 300 Jahren sind die Menschen wie wir heute in diese Kirche gezogen und haben ihr Herz geöffnet für den Geist Gottes, haben die Augen geöffnet, um hier in dem wunderschönen Altar und in der Schönheit des ganzen Kirchenraums eine Ahnung von der Ewigkeit zu bekommen. Sie haben die Ohren geöffnet, um auf Gottes Wort zu hören und um sich von den machtvollen Tönen der Orgel anrühren zu lassen und darin in der Seele etwas vom Klang der Unendlichkeit zu spüren. Sie haben die Münder geöffnet, um ihre Freude herauszusingen und einzustimmen in den Lobpreis der Engel, die Gott die Ehre geben.  Und sie haben ihre Arme geöffnet, um zu empfangen, den Segen Gottes zu empfangen.

Die Menschen damals haben zu Gott gebetet, dass er all solche Erfahrungen all den Menschen später auch schenken möge, dass er den Menschen aller Zeiten, die in dieser Kirche zusammenkommen würden, seinen Segen schenken möge.

Liebe Gemeinde, wir sind heute wie die Menschen vor 300 Jahren in diese Kirche eingezogen und kommen in ihr zusammen, um zu feiern, dass diese Bitte in Erfüllung gegangen ist, um Gott dafür zu loben und ihm zu danken, dass seine Kraft über die drei Jahrhunderte hindurch in guten und in schweren Zeiten in dieser Kirche spürbar geworden ist, dass Menschen, die traurig waren, hier getröstet worden sind, dass Menschen, die froh waren, ihre Freude vor Gott gebracht und für Gottes Güte gedankt haben, dass Menschen, die von Schuld beschwert waren, hier Vergebung erfahren haben und wieder frei geworden sind. Dass Menschen als Gesegnete aus dieser Kirche wieder nach Hause gehen durften.

Das feiern wir heute. Und wir legen die Zukunft dieser Kirche und der Menschen, die in ihr zusammenkommen, in Gottes Hand. Und lassen uns Gottes Wort mit auf den Weg geben. Der Predigttext für den 14. Sonntag nach Trinitatis steht im 1. Thessalonicherbrief im  5. Kapitel, die Verse 14-24. Es ist, als spräche Paulus direkt zu uns, die wir hier in Wilhermsdorf zusammen sind. Es ist, als wollte er uns Orientierung geben für unseren weiteren Weg. Aber hören Sie selbst:

„Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder“ – so schreibt der Apostel: „Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.  Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.“

Liebe Gemeinde, ich finde, diese Worte haben eine ziemliche Wucht. Sie sind wie ein kleiner Katechismus für das christliche Leben. Wie eine leidenschaftliche Positionsbestimmung, wenn wir die Frage stellen: Wie wollen wir eigentlich leben? Wie sieht es aus, das gute Leben? Diese Worte des Paulus sind wie ein Leuchtturm, auf den wir schauen können, wenn wir in der heutigen Welt den Kompass verloren haben, wenn wir auf hoher See segeln und eigentlich gar nicht wissen, wo wir hinsegeln.

Es geht noch ziemlich harmlos los: „Weist die Unordentlichen zurecht!“ Man könnte jetzt denken, es geht um saubere und schön gebügelte Hemden oder um mahnende Worte gegen das chaotische Zimmer des Teenagers. Aber es geht natürlich um mehr. Es geht darum, dass wir uns an Gepflogenheiten halten, die das Zusammenleben ermöglichen. Es ist ja wirklich etwas ungeheuer Entlastendes, wenn wir solche Regeln nicht immer neu erfinden müssen, sondern sie von denen lernen können, die vor uns waren. Dass man andere Menschen grüßt und ihnen damit Respekt erweist. Dass man bereit ist zu hören anstatt immer nur selbst zu reden, dass man nicht immer andere den Dreck wegräumen lässt, sondern selbst mit anfasst – das sind nicht spießbürgerliche Regeln, sondern Ausdruck von Achtsamkeit den Mitmenschen gegenüber. So lebt es sich einfach besser.  Macht ihnen das klar – sagt Paulus – weist die Unordentlichen zurecht.

Und dann kommt etwas, was solcher Achtsamkeit besonderen Ausdruck verleiht: „Tröstet die Kleinmütigen!“ Damals war es wahrscheinlich in der Gemeinde genau wie heute: da gibt es die Selbstbewussten, die immer gleich wissen, wie es gemacht wird, die in ihrem Temperament und in ihrer Schaffenskraft ein Riesenschatz für die Gemeinde sind, die extrovertiert sind und deutlich zu sagen vermögen, wo es lang gehen soll. Und da sind die eher Leisen, die zum Selbstzweifel neigen, die eher Fragen stellen als die Marschrichtung vorzugeben, die aber gerade in ihrer sensiblen Zurückhaltung der Gemeinde ungeheuer viel geben können. Geht einfühlsam und achtsam mit ihnen um, sagt Paulus. Sonst geht eurer Gemeinde ein großer Schatz verloren!

„Tragt die Schwachen!“  - fährt Paulus fort. Nehmt das ernst, was euer Herr Jesus Christus euch gesagt hat: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan! Ja, es ist Teil eines guten Lebens, wenn wir füreinander einstehen, egal, ob wir zu den Starken oder zu den Schwachen gehören. Wir haben alle miteinander ein im tiefen Sinne glücklicheres Leben, wenn wir wissen, dass alle Menschen in Würde leben können. Wenn wir bereit sind, Menschen, die nach schrecklichen Gewalterfahrungen hier her fliehen, aufzunehmen, auch wenn es schwer ist, sie unterzubringen.  Tragt die Schwachen! Was erst mal klingt wie eine moralische Mahnung, entpuppt sich als Ruf in die Verantwortung, dessen Wahrheit die Seele schnell erkennt. Jeder von uns weiß, wie er sich fühlen würde, wenn er in einer solchen Situation der Schwachheit wäre. Jeder wäre dankbar, wenn er von den anderen getragen würde. Alles was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, sagt Jesus, das tut ihnen auch. Deswegen: Tragt die Schwachen!

Und dann sagt Paulus: „Seid geduldig gegen jedermann!“ Ach, wenn das doch nur einfacher wäre! Auch unter Christenmenschen, auch in unseren Gemeinden lieben sich ja nicht alle immer ohne Unterbrechung. Ja, es gibt Kirchenvorstandssitzungen, in denen zu vorgerückter Stunde eine genervte Stimmung entstehen kann. Der eine denkt, er muss unbedingt noch etwas sagen. Die andere denkt: Kann denn dieser Vielredner nicht mal seinen Mund halten, so dass wir endlich nach Hause kommen? Wir haben eben starke Persönlichkeiten in unseren Kirchenvorständen. Und manchmal eskalieren Konflikte – und es kommt immer mal wieder vor, dass sie sogar auf dem Schreibtisch des Bischofs landen.

Wenn wir in unseren Beziehungen spüren, wie wir die Geduld verlieren, dann lasst uns an diesen Satz des Paulus denken: „Seid geduldig gegen jedermann!“ In einer solchen Situation mal kurz innerlich beiseitetreten, Distanz zu sich selbst gewinnen und eine Dosis Paulus zu sich nehmen, kann Wunder wirken. Wer eine solche Dosis Paulus regelmäßig zu sich nimmt, spürt, wie sich seine Beziehungen verändern. Wie es leichter wird in der Ehe. Wie Konflikte im Freundeskreis ihre Macht verlieren, wie am Arbeitsplatz der Umgang mit schwierigen Kollegen leichter wird. Ja: „Seid geduldig gegen jedermann!“ Dieser Rat des Paulus ist eine sehr konkrete Hilfe zum guten Leben.

Und es geht weiter: „Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.“ Wer schon einmal erlebt hat, wie eine Situation, in der zwei Menschen in einen Konflikt miteinander verkrallt sind, sich öffnen kann, sobald einer den ersten Schritt macht, sobald eine den anderen nicht mehr auf sein falsches Verhalten festlegt, sondern auf Böses mit Gutem reagiert, wer das erlebt hat, der weiß genau, was Paulus meint.  Es gehört zu den schönsten Erfahrungen in den Beziehungen von Menschen, wenn aus einer Spirale des Konflikts eine Spirale der Versöhnung wird.  

Jetzt kommt vielleicht das Schwierigste: „Seid allezeit fröhlich!“. Man kann nicht immer fröhlich sein! Und aufgesetzte Fröhlichkeit ist etwas Fürchterliches. Immer happy sein zu sollen, mag eines der Gebote der Spaßgesellschaft sein, aber es ist kein biblisches Gebot! Und auch dann noch fröhlich zu sein, wenn wir mit schlimmem Leid konfrontiert sind, ist Mangel an Empathie, an Mitgefühl, und ganz bestimmt nichts besonders Christliches! So kann es Paulus also nicht meinen.  Paulus meint etwas Anderes: Verliert nicht die Hoffnung! Angesichts des Leidens die Hoffnung nicht verlieren – das ist ganz bestimmt eine Herausforderung für den Glauben. Vielleicht die größte Herausforderung überhaupt. Und vielleicht gerade heute.

Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, in der an so vielen Stellen der Welt so viel brutale Gewalt zum Ausbruch gekommen ist. Was die Terrormiliz Islamischer Staat den Menschen antut, ist im wahrsten Sinne des Wortes „unsäglich“. Man kann es gar nicht sagen, weil schon die Worte selbst zu grausam sind. Ich habe vorletzte Woche im Nordirak ein Traumazentrum besucht, das unsere bayerische Landeskirche seit  Jahren mitfinanziert und in dem zur Zeit Flüchtlinge begleitet werden, die Grausamkeiten des IS selbst gesehen haben. Der Schaden an der Seele ist unermesslich. Und ich bin unendlich dankbar, dass sie Hilfe bekommen. Der Satz - „Seid allezeit fröhlich!“ – der kann, wörtlich genommen, in einem solchen Kontext wie Hohn wirken.

Aber es geht Paulus eben nicht um oberflächliche Fröhlichkeit. Es geht ihm darum, dass wir die Hoffnung nicht verlieren. Und das ist lebensrettend! Ich jedenfalls würde die Hoffnung verlieren, wenn ich nicht meinen Glauben hätte. Wenn ich nicht wüsste, dass Gott am Ende alle Tränen abwischen wird und kein Leid mehr sein wird noch Geschrei noch Schmerz mehr sein wird. Und alles neu wird. Wenn ich nicht fest darauf vertrauen könnte, dass die Gewalt nicht das letzte Wort haben wird.

Wie können wir die Hoffnung behalten? Paulus sagt: betet ohne Unterlass. Und das ist genau die Antwort.  Wir können uns die Realität nicht schönreden. Wir dürfen sie nicht durch zwanghaften Optimismus verdrängen. Aber beten, das können wir. Wir können vor Gott unsere Klage bringen über all das Leiden, das wir sehen, all die sinnlose Gewalt, durch die dieses Leiden verursacht wird. Wir können zu Gott rufen, dass er sich zeigen möge, dass die Opfer Gerechtigkeit erfahren und Friede werde. Beten heißt radikal vertrauen.  Radikal auf den vertrauen, der uns das Leben gegeben hat, der diese Welt geschaffen hat, der sie in seiner Hand hält und der sie dereinst vollenden wird.

Beten ist auch der Weg zu dem, was Paulus uns als Letztes ans Herz legt: „Seid dankbar in allen Dingen!“ Ja, beten lehrt Dankbarkeit. Weil wir nichts für selbstverständlich nehmen. Weil wir wissen, dass uns alles, was wir sind und haben, von Gott geschenkt ist. Weil das Beten uns Worte gibt für das Wunder des Lebens. Weil wir mit Psalm 103 sagen können: Lobet den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Liebe Gemeinde, es ist wirklich ein großer Schatz, den wir heute an diesem großen Festtag von Paulus mit auf den Weg bekommen. Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach.  Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen.

Nehmt das mit, liebe Wilhermsdorfer, sagt Paulus heute zu uns, nehmt es mit auf euren weiteren Weg. Und lasst euch auf diesem Weg führen von dem Herrn, der Euch das Leben gegeben hat und der Euer Leben trägt und erhält.

Die Worte des Paulus am Ende sind direkt zu uns gesprochen, die wir heute 300 Jahre Evangelische Hauptkirche Wilhermsdorf feiern: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.“ AMEN

 

 

 

 

 

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Gereimte Predigt zum Festjahr
300 Jahre Hauptkirche Wilhermsdorf

27.7.2014 von  Pfarrerin Susanne Jung

 

Die schönste Kirch vom Dekanat
Was meint ihr denn, wer die wohl hat?
Ich glaub – ach bin mir da schon fast gewiss,
dass des hier unser Hauptkirch' is.

Drum will ich ihr ein Loblied singen,
ihr ein Geburtstagsständla bringen.
Ich tu's gereimt und wohlbedacht,
so wie man damals es gemacht,
wenn man mit Versmaß hat gereimt
was ganz besonders war gemeint.
Den Wert der Rede hat's betont,
damit die Mühe sich auch lohnt.

O.k. - für heuer ausnahmsweis,
sei's mir erlaubt – ja, ja ich weiß,
ihr denkt: Was soll die Prahlerei?
Doch ist mir das mal einerlei.
Weil wir in Festjahr g'rade sind,
und da versteht doch jedes Kind:
Wir sind auf unsre Kirche stolz,
denn sie ist aus besond'rem Holz.

300 Jahr, die sind jetzt voll
Und alle sagen, des ist toll,
dass sie noch steht, so wie sie war.
Des müss' mer feiern, is doch klar

Sie ist für wahr ein Augenschmaus
Da geht mer gern ins Gotteshaus
Mit Holz und Blattgold fein verziert
sich uns die Hauptkirch' präsentiert.
Da lässt man keinen Sonntag aus
Und hält sogar die Predigt aus
Ja, alle sag'n, ob Jung ob alt:
A Wilhermsdorfer Schmuckstück halt

Barocker Glanz lenkt uns den Blick
Und das ist keineswegs nur schick.
Er findet sich wohl überlegt
nur da, wo es um Glaubensinhalt geht
Da schweift das Auge von allein,
wo in der Kirch' es sollte sein.

Z.B. hier zu dem Altar                                                            
Altar 0448 2Der ist ein Meisterwerk, fürwahr.
Schon an den Seiten ist zu seh'n,
dass die vier Tugenden hier steh'n
Wir kennen sie - die Liebe war
die größte unter ihnen gar.
Dazu noch Glaube Hoffnung Stärke kommen.
Auf diesen Säulen steh'n die Frommen.
Und auf dem Tisch liegt Gottes Wort
Auf dass es wirke fort und fort.
 
Auf Augenhöhe seh'n wir dann                                
Wie Jesu Leidensweg begann.
Er sitzt vereint im Passah-Saal
und feiert letztes Abendmahl.
Mit seinen Jüngern ganz vertraut.
Doch nur dem Judas man nicht traut.wilhermsdorf predell050 2
Der hat den Fuß schon aus dem Bild
Denn er führt Böses nur im Schild.
Den Beutel Münzen in der Hand,
woraus sich manche Schlange wand
als Zeichen für die Missetat,
will er schnell los zu dem Verrat.
Das Schicksal nimmt nun seinen Lauf
Wir wissen, was passiert darauf
 
Und sehen hier darüber schon                                     
ans Kreuz gehängt den Gottessohn.
Drunter steh'n, den Tränen nah,
Maria und Johannes da.
Das ist dein Sohn - Maria sieh!
Wie eine Mutter liebe sie!
So sagt der Herr es ihnen beiden.
Wenn er erlöst von seinem Leiden,Kreuzigungsgruppe 2
dann soll'n sie zueinander steh'h
und sich wie Blutsverwandte sehn.

Auch wir soll'n dies noch heut' bedenken,
dass wir einander Liebe schenken,
wie eine Mutter liebt ihr Kind,
weil wir eine Familie sind.
Auch wenn der Herr einst auferstand
und aus dem Blickfeld uns entschwand
So sollen wir zusammenleben,
wie er es uns hat aufgegeben.

Am Kreuz, da fällt noch Eines auf:
Wie Jesus reckt die Hände auf
Empor zum Himmel zeigen sie
Auf dass er bald dem Kreuz entflieh.

Deswegen schweift jetzt unser Blick                                                             
Etwas nach oben, nicht zurück.
Und seh'n mit Siegesfahne in der Hand
den, der das Böse überwand.
Den auferstand'nen Jesus Christ,
der unser aller Retter ist.

Mit Siegesgeste sehn'n wir ihn
und Thomas knieet neben ihm.
Ihr wisst doch der, der kritisch warAltarfiguren 2
Und sagte erst: „das ist nicht wahr!"
Das Jesus auferstanden ist.
Ihr redet alle doch nur ...Unsinn
Denn jedes Mal hat er's verpasst
und Jesus auch nicht angefasst,
als dieser auferstanden kam
in ihrem Raum und man vernahm
den Friedensgruß aus seinem Mund.
Darüber staunt man bis zur Stund'.
Doch auch zu Thomas sagt der Herr:
„Komm zu mir, zweifle nimmer mehr.
In meine Wunden leg die Hand.
Und glaube ruhig deinem Verstand,
auch wenn er sich dagegen wehrt.
Ich lebe, sieh, bin unversehrt."

Und wenn wir heut zum Thomas seh'n,
dann dürfen wir es wohl versteh'n,
dass unsere Zweifel, unsre Sorgen,
bei Jesus selbst sind wohl geborgen.

Jetzt lassen wir den Blick mal gleiten                                 Petrus 0372 2
an des Altares schöne Seiten.
Den Petrus und den Paulus hier
an beiden Enden sehen wir.

Der Petrus hat den Schlüsselbund
in seiner Hand, das hat den Grund,
weil Jesus hat ihm zugedacht,
dass er bekommt des Himmels Macht.
Und stehet vor des Himmels Tor
mit diesem Schlüssel bald davor.

Dass Pauls ist der mit dem Schwert,                                            
Paulusdas ist hier auch erwähnenswert.
Denn seine Rede war so scharf,
dass man es hier wohl sagen darf.
Sie ging den Menschen tief ins Herz,
dass es sich hebe himmelwärts
und glaube Gottes gutem Wort,
damit es lebe immerfort.
 

Jetzt dürfen wir es nicht vergessen                                      
- für uns, da scheint's etwas vermessen -Allianzwappen 2
Doch war es damals üblich gar,
dass mitten hier an dem Altar
das Wappen der Frau angebracht,
die diese Kirche hat gemacht.

Drum schaun wir schnell mal ganz nach oben.                                          Altaraufsatz Dreifaltigkeit 2
Dort, wo Gott Vater ist zu loben.
Er hält in seiner Hand die Kron'
und übergibt sie seinem Sohn.
Darüber schwebt der heilig'Geist,
weil es Dreieinigkeit ja heißt.
„Des Lebens Krone geb' ich dir"
Ich glaub', das Wort, das kennen wir.

Doch geh ich nun zum Taufstein hin,                 
weil da so viele Engel sin'.
Nach Wilhermsdorfer Kindeleintaufstein 1 schwarz 1386
sind sie gemacht, so wird's wohl sein.
Sogar bei Jesu Taufe steht
ein Engel da, wie ihr hier seht.
Dreieickig ist er und nicht rund
Ich glaub, ihr kennt jetzt schon den Grund:
In Gottes dreifach schönem Namen
geschehe jede Taufe, Amen.
Auch dass er hier so mittig stehe,
damit ihn keiner übersehe,
das wurde mit Bedacht gemacht.
Ihr habt's euch sicher schon gedacht.
Zu Gott, da wird der Weg nur frei,
geht man am Taufbecken vorbei.

So, jetzt geh ich schnell, doch ohne Hatz
endlich hinauf auf meinen Platz.
......

Die Kanzel ist des Pfarrers Ort,                              
Hauptkirche kanzelwo er verkündet Gottes Wort.
Und diese ist besonders schön,
wie man es kann ganz deutlich seh'n.
Karl Matter, der sie einst erschuf,
der hatte einen guten Ruf.
Als Sonnenwirt war er bekannt
und formte mit geschickter Hand
das, was wir hier als Kanzel seh'n
Zum predigen ist's sehr genehm.
Schon wenn man durch die Tür hier geht,
der Segen Gottes drüber steht,
denn in Hebräisch liest man hier:
„Gesegnet gehst du durch die Tür
bei deinem Ein- und Ausgang stets,
denn um das Gotteswort hier geht's.
Und wär an dieser gold'nen Zier
wie früher eine Sanduhr hier,
dann könnte man die Predigt messen,
wenn man das Umdreh'n nicht vergessen.

Hier vorne um den Kanzelbauch
seh'n wir Evangelisten auch.
Matthäus steht mit Engel da,
der Markus mit n'em Löwen gar.
Und Lukas hält es mit dem Stier,
Johannes bleibt beim Adler hier.
Mit ELSA merkt sich jedes Kind,
Was nun ihre Symbole sind.

Wir schau' nach oben, das belebt,
weil hier des Geistes Taube schwebt.
Und an der Spitze über allem,
hat es dem Künstler wohl gefallen,
dass er dort Jesus angebracht,
der nun hier steht mit seiner Macht.
Zu seinen Füßen liegt die Erde,
damit befreit sie durch ihn werde
und er das Böse überwindet,
das sich als Schlange um sie windet.

Ich bleibe gleich hier oben steh'n                                         orgel ost 500
Denn so kann ich die Orgel seh'n.
Auch Sie ist aus Karl Matters Hand,
der uns als Sonnenwirt bekannt.
Sie ist wohl eines Blickes wert,
weil sie uns zeigt, wen sie verehrt
mit ihren Liedern und Musik,
dass jeder Ton zum Himmel flieg!
Zur Ehre Gottes singen wir,
Das lesen auf dem Schilde wir,
welches ganz oben, mit Bedacht,
ist an der Orgel angebracht.
Die Engel fliegen hin und her
und freu'n an der Musik sich sehr.
Eine barocke, fröhlich Schar,
mancher mit Instrument sogar.
Als würden sie bis heut verkünden,
dass Grafen vor der Türe stünden.
und ziehen in die Kirche ein,
wie damals wird's gewesen sein.
 

Bestimmt an jedem Sonntag war sie da,                     
Gräfin Franziska BarbaraHerrenständeAuf dieser Seite saß sie dann
Und hörte sich die Predigt an.
Der ganze Hofstaat folgte ihr
und saß ihr gegenüber, hier.
Sie liebte Gottes Wort gar sehr
und wollte, dass es sich vermehr.

Deswegen hier zum guten Schluss
ein Bibelwort noch kommen muss.
Wir nehmen, was vorhin gelesen
Es ist das Predigtwort gewesen
Aus Petrus Feder stammte es.
Hört hin, vielleicht erkennt ihr es.
Kapitel 2, Vers 1-10,
So wird es nun mit Reim versehen:

Vorbei sei's jetzt mit Heuchelei,
mit Lug und Trug sei's nun vorbei.
Ich bitt euch, richtet euren Sinn
auf Gottes reines Heilswort hin.
Seid neugebor'ne Kindelein,
und kommt zu Gott als wie ein Stein,
der bei den Menschen war nichts wert.
Bei Gott aber ist hoch geehrt.
Und lasst euch bau'n zu einem Haus,
von dem geht Gottes Botschaft aus.
Lebend'ge Steine sollt ihr werden
Für Gottes Glaubenshaus auf Erden.
Die Alten wussten auszulegen,
dass Gott wird einen Eckstein legen.
Wer an ihn glaubt wird selig sein
Und gehet in den Himmel ein.
Für euch ist er die Kostbarkeit
und führet zu der Seligkeit.
Nur die, die glauben finden ihn,
die Bauleute verwarfen ihn.
Doch ist zum Eckstein er gesetzt
Woran sich mancher schon gewetzt
Ein Stolperstein und Ärgernis
Den Ungläub'gen ein Hindernis.
Die stoßen sich an Gottes Wort.
Ihr aber setzt den Heilsplan fort.
Denn ihr seid die erwählte Schar,
ein heil'ges Volk und Priester gar.
Verkündet Andern Gottes Licht,
damit sie sich verirren nicht.
Was ihr von Gott empfangen habt,
das gebet weiter unverzagt.
Barmherzigkeit war euch verwehrt,
als ihr noch nicht zu Gott gehört.
Doch wird sie euch jetzt reich geschenkt,
darum zu Gott die Sinne lenkt.

So nehmen wir dies Petruswort,
auf dass es wirke in uns fort.
Es passt auf unser Gotteshaus,
wo Menschen gehen ein und aus.
Denn wir sind dieses Hauses Steine,
die Gott zu seinem Lob vereine.
Durch Menschen erst wird Kirche toll,
besonders, wenn sie ist ganz voll,
weil alle gern beisammen sind
in Gottes Nähe fröhlich sind.
Dann strahlt sie in des Festes Glanz
und wird lebendig voll und ganz.
Drum lad ich euch jetzt herzlich ein,
kehrt wieder in dies Haus hier ein.
Und kommt zu Gott mit euren Sorgen.
Bei ihm sind sie gar wohl geborgen.
Es dürfen kommen Klein ob Groß,
denn hier ist immer etwas los.
In seinem Haus ist immer Platz,
und das ist unser größter Schatz,
dass er uns nimmt, so wie wir sind
und liebt uns alle, wie sein Kind.
Dem soll'n und dürfen wir vertrau'n
Und darauf seine Kirche bau'n.

Jetzt könnt ihr selbst mal überlegen
Was dazu könnt auch ihr bewegen.
Denn meine Red' kommt nun zum End
und wie ich es auch dreh' und wend
Ihr braucht jetzt erst mal wieder Ruh
Am besten mit Musik dazu.
Halb Zehn wird nun auf seine Art
Gleich übernehmen seinen Part
Lasst eurem Denken freien Lauf,
denn ich hör jetzt zu Reden auf.

Und Gottes Fried', der höher geht,
als der Verstand es je versteht,
Er lenke euer Herz und Sinn
zu Gottes reicher Gnade hin.

Amen

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Pfingstsonntag 2014

Dialogpredigt Dekan Andreas Kleefeld mit Pfr. Rainer Schmidt

zu Römer 8, 1+2 und 10+11

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Lasst uns um Gottes Segen bitten.

Amen.

 

Liebe Gemeinde,

 

ich habe mich schon immer gefragt, was wohl in den dicken Büchern drinnen steht, die Petrus und Paulus da oben auf dem Altar der Hauptkirche in der Hand halten. Ich vermute ja, dass es irgendwelche biblischen Bücher sind, die sie da in Händen halten.

Wenn ich darüber nachdenke, was das dickste Buch ist, mit dem ich mich zur Zeit beschäftige, dann fällt mir interessanter Weise nicht die Bibel ein, sondern ich komme auf die Rechtssammlung unserer Landeskirche, die ich Ihnen einfach mal mitgebracht habe und die eindeutig dicker ist als die Heilige Schrift.

Ich muss gestehen, dass ich die Rechtssammlung in meiner Zeit in Wilhermsdorf nicht so sehr oft in die Hand genommen habe. In meiner jetzigen Funktion als Dekan brauche ich sie doch sehr häufig, denn es sind in diesem Buch sehr viele Dinge geregelt, die das Zusammenleben in der Kirche etwas einfacher machen. Wir zweieinhalb Millionen Evangelische Christen in der Bayerischen Landeskirche sind halt doch ein sehr bunter Haufen sehr verschiedener Menschen mit sehr unterschiedlichen Ansichten. Da ist es hilfreich, dass wir eine Kirchenverfassung haben, auf die wir uns gründen, Leitlinien des Kirchlichen Lebens, die Kirchengemeindeordnung, die das Zusammenleben in der Kirchengemeinde beschreiben. Die Bekenntnisse sind festgehalten, die Gottesdienstordnung, genauso wie Bestimmungen zum Bauwesen, für Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchenbeamte und Angestellte, das Mitarbeitervertretungsgesetz und viele viele andere Ordnungen.

Gesetze und Ordnungen sind offenbar wichtig für unser Zusammenleben. Sie prägen, oft ohne, dass wir uns ihrer bewusst sind, unser Leben in allen seinen Bereichen – nicht nur in der Kirche. Darum ist das Gesetz auch ein wichtiger Begriff in der Bibel, der dort vielfältig meditiert wird. Wir denken an die 10 Gebote, oder das Buch Numeri, das 4. Buch Mose, in dem sehr viele Regelungen für den kultischen Bereich beschrieben sind. Und so kommt auch im heutigen Predigttext, das Gesetz ganz privilegiert, aber auch in bedenkenswerten Wortkombinationen vor: Vom Gesetz des Geistes ist da die Rede. Aber auch vom Gesetz der Sünde und vom Gesetz des Todes. Und das ausgerechnet zum Pfingstfest, wo es um den Heiligen Geist geht. Da frage ich mich glatt, wie das zusammenpassen kann – Gesetz und Geist. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Wir lesen die betreffende Stelle aus dem Römerbrief im 8. Kapitel einmal vor.

8 1 So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.

2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Rainer

 

10 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

11 Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Na, irgendwie werde ich bei dem, was Du sagst, das Gefühl nicht los, dass Dir das Gesetz auch manchmal ganz schön auf den Geist geht. Zumindest in der Form, in der Du es mitgebracht hast. Klingt so, als ob es Dir lieber wäre, wenn wir trotz des bunten Haufens, der wir sind, ohne diese dicke Rechtssammlung auskämen.

Was meint Paulus denn eigentlich mit „Gesetz“? sind da solche Vorschriften gemeint? Also solche Sachen wie:

„Werden die anfallenden Aufgaben der Kur- und Urlauberseelsorgestelle von einem Theologenehepaar gemeinsam versehen, so erhält das Ehepaar gemeinsam eine Aufwandsentschädigung gemäß §5 Abs. 1.

2Fahrtkosten werden für beide Ehegatten gemäß §5 Abs. 2 erstattet, für die Unterkunft gilt §6 entsprechend.“ (KurSeelsO Rs 935 §8 Abs. 4)

Ich weiß nicht – ich glaube nicht, dass Paulus bei „Gesetz“ an die Kurseelsorgeordnung der Bayerischen Landeskirche gedacht hat.

Du hast gerade gesagt, dass in dem Abschnitt aus dem Römerbrief das Wort Gesetz in bemerkenswerten Kombinationen vorkommt: „Gesetz des Geistes“, „Gesetz der Sünde“ und „Gesetz des Todes“.

Aber das sind nicht verschiedene Bezeichnungen, die immer den gleichen Inhalt benennen. Das „Gesetz des Geistes“ steht den beiden anderen gegenüber. Das Gesetz des Geistes macht frei vom Gesetz der Sünde und des Todes.

Ich könnte mir vorstellen, dass wir das Wort „Gesetz“ falsch verstehen, wenn wir uns darunter schriftlich niedergelegte Rechtstexte vorstellen. Es könnte doch auch so etwas gemeint sein wie Gesetzmäßigkeiten. Also eher logische Ursache-Wirkung Prinzipien oder Naturgesetze als Rechtstexte. Wenn ich einen Stein in die Hand nehme und los lasse, dann fällt er mir auf den Fuß. Dazu brauche ich keinen Richter, der das im Namen des Volkes oder der Schwerkraft verkündet, das merke ich ganz von selber.

Das „Gesetz der Sünde“ ist doch bei Paulus so etwas, in dem wir einfach als Menschen drinstecken, weil wir in unseren Leben gar nicht anders können, als immer wieder etwas falsch zu machen.

Für ihn ist eine Folge davon der Tod. Den sieht er als einen Teil dieses Gesetzes der Sünde.

Hast DU eine Ahnung, wie man da das Gesetz des Geistes dagegenhalten kann?

Andreas:

Ich habe ja den Verdacht, dass der Apostel Paulus uns darauf hinweisen will, dass die vielen Gesetze und Ordnungen, mit denen unsere Leben im Alltag und in der Kirche umwoben ist, im Grunde ein Dokument unserer Unfreiheit sind. Offenbar sind wir nicht in der Lage, ohne diese Vorschriften vernünftig zu leben, weshalb wir alles irgendwie regeln müssen. Häufig schaffen diese Regeln einen Rahmen, innerhalb dessen wir uns frei bewegen können. Oft genug spüren wir, wie uns die Regeln einengen und in unserer Freiheit beschränken.

Manchmal sogar so, dass man den Eindruck hat, dass diese Regeln um ihrer selbst willen gemacht sind.

Der Herr Jesus hat diese Problematik ja mal sehr schön beschrieben, als seinen Jüngern vorgeworfen wurde, sie hätten gegen das Gesetz verstoßen, weil sie beim Sabbatspaziergang durch ein Kornfeld, Ähren gezupft hatten: „Das Gesetz ist um des Menschen willen da.“ So hat er gesagt und damit auf die dienende Funktion des Gesetzes verwiesen. Die Gebote Gottes sind kein Selbstzweck. Und das gilt auch für die Regeln, die wir Menschen uns selber geben.

Hier knüpft der Paulus an, wenn er das Gesetz des Geistes mit dem Gesetz des Todes kontrastiert und vom Geist spricht, der lebendig macht. Menschen, die nach dem Gesetz des Geistes leben, sind Menschen, die von der Auferstehung Jesu her kommen. Sie sollen frei und befreit leben können. Sie sollen ohne Angst leben können, etwas falsch zu machen: „Es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“ Deshalb geht er im Folgenden auf die Auferstehung ein und meint, - ich sage es mal verkürzt – „Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er Euch lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“

Das Leben aus dem Gesetz des Geistes, der Glaube ist für ihn belebend, geistvoll, kreativ und frei. Und eben nicht die Befolgung von Gesetzen, Geboten und Regeln, wie manche Leute meinen, die die Heilige Schrift zu einem Gesetzbuch verkommen lassen. Das Pfingstwunder zeigt uns „begeisterte“ Menschen in Jerusalem, die alle Regeln außer Kraft setzen, alles das, was wir als normal, ordentlich oder richtig bezeichnen würden, die sich nicht an den Grenzen von Sprache, Nation oder Religion stören , die keine Rücksicht auf gesellschaftliche Schranken und Konventionen nehmen. Sie lassen sich vom Gesetz des Geistes leiten, weil sie überschäumend vom auferstandenen Herrn reden müssen und davon, dass der Tod seine Macht über das Leben verloren hat. In dieser Begeisterung erkenne ich, was der Paulus mit dem „Gesetz des Geistes“ meint.

Verstehst Du, was ich meine?

 

Rainer

 

Ich verstehe sogar noch etwas anderes… ich hab mich ja auch ein bisschen vorbereitet auf diesen Text… und im Wörterbuch stehen bei dem Wort „NOMOS“ das Paulus im griechischen bei „Gesetz“ verwendet, noch ganz andere Bedeutungen, die ich bisher überhaupt nicht verstanden habe!

Zum einen steht da eben „Gesetz“, „Ordnung“, „Brauch“… also „Regeln“, denen Menschen folgen oder folgen müssen. Aber es gibt noch etwas ganz anderes:

„Musikalische Weise“, „Melodie“, oder überhaupt „Musik“, und sogar „Tonart“ kann dieses Wort bedeuten!

Hör Dir den Anfang des Predigttextes dann einmal an – er kriegt gleich einen ganz anderen Klang!

„Denn die Melodie des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von der Melodie der Sünde und des Todes.“

Das kenne ich! Melodien, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Melodien, die fröhlich machen, die anstecken! Das ist die Melodie des Geistes. Gottes Lied in uns, sein Lied, das uns fröhlich machen will, das uns durch den Tod sozusagen durchsingt. Ein großes Lied, das in den kleineren Liedern, die wir heute gesungen haben, schon mitschwingt! Ein Ohrwurm wie das „lobe den Herrn meine Seele“ oder vielleicht auch manchmal eine kleine ungewohnte Herausforderung.

Auf jeden Fall ist dieses Lied stärker als das vielleicht verführerische Lied der Sünde, stärker als das getragene Lied des Todes.

Begeisternd eben! Und damit sehr pfingstlich!

 

Amen

 

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Festpredigt anChristi Hinmmelfahrt in Unterulsenbach, 29. Mai 2014,

Jubiläumsjahr der Hauptkirche von Wilhermsdorf (1714-2014)

Von Regionalbischof i.R. Christian Schmidt

 

In Wilhermsdorf, das ist ganz klar,
ist heuer Jubiläumsjahr,
dreihundert Johr – hast du noch Töne –
steht etz die Hauptkirch schon, die schöne,
die nicht zu toppen, nicht zu doubeln,
und des is echt a Grund zum Jubeln!
 
Drum gibt’s, do helfen alle zamm,
drum gibt’s a super Festprogramm,
und do is echt, ich sogs euch glei,
do is für jeden wos dabei,
die Massen werden angelockt:
im Radio kummts, die Orgel rockt,
 
um zu erhöhn den Glanz des Festes
gebn unsre Chöre nur ihr Bestes!
Demnächst werds a Ausstellung gebn,
wie in und mit der Kirche lebn
die Menschen hier, da hängt sich rein,
ganz toll – no?! – der Heimatverein.
 
Es macht die Predigt zum Gedicht
Frau Pfarrer – besser geht es nicht!
Durchs Gotteshaus führt – wirklich, ja! –
Gräfin Franziska Barbara.
Der Fotoclub macht tolle Bilder,
bom Kabarett wird’s a weng wilder;
 
die Freunde der Oldtimer gar
vom Zenngrund sin dabei, ganz klar!
Der Volker Heißmann stellt sich ei,
ja, der konn fromm und ernsthaft sei;
wenn ich mich zum September wende,
do gibt’s a Top-Festwochenende!
 
Doch heut – des ghört zum Jubelstrauß –
heut simmer aus der Kerch heraus,
wie des, Ihr wisst das alle schon,
an Himmelfahrt ist Tradition,
und loben fröhlich, frisch und wach
den Herrn in Unterulsenbach.
 
Und dozu sin – do konnst net brumma –
heut fei glei drei Gemeinden kumma:
Wer is nern vo Kirchfarrnbach da? –jawohl! Und vo Hierschneuses – aah!
Der Rest, dann hommers glei, die drei,
der konn vo Wilhermsdorf bloß sei!
 
Mir also, christlich und gelahrt,
mir feiern Christi Himmelfahrt,
voll Dankbarkeit und Glück und Freude
von ganzem Herzen, hier und heute,
weil mir, mir homm im Hirn no drin
dem hohen Fest sein tiefen Sinn.
 
Doch kommer des – ich will net klogn –
heit nimmer ganz vo alle sogn;
wennsd in der Stadt, do, wo ich wohne,
wassd scho, in der Fußgängerzone,
die Leut a bissla interviewerst,
wennsd couragiert des einfach tuerst,
 
und frogerst: „Was verbinden Sie
mit Himmelfahrt?“ Ohoo, ohii,
ich glaab – do trau er mi fast schwörn –
ich glaab, do könnerst Sachen hörn,
und su viel bleede Gsichter sehn,
dass bal die Hoor zu Berg dir stehn.
 
Der aane sogt: „Wos für a Frog,
do is, ganz klor, Weltraumfahrttog!“
Als nächste sogt die kesse Marie:
„Des is a su a christlis Gschmarri.“
Der dritt: „Do tun bo uns in Bayern
und Deutschland alle Väter feiern,
 
und aa su mancher junge Stenz
zeigt seine tolle Sauf-Potenz.“
Der viert‘: „Gern gäb ich Antwort dir,
doch ich bin leider nicht von hier ...“
Von euch tät mancher sich erkühnen:
„Mir feiern Gottesdienst im Grünen!“
 
Mer merkt, ich sogs amol „studiert“:
Mir sin recht säkularisiert
und viel, wos früher jedem klor
und, ja, ganz selbstverständli wor,
wie Himmelfahrt, kummt vieln toujour
su wie a böhmisch Dorf nur vur.
 
Warum? Ich hob scho manchmol dacht:
Vielleicht hobn mers net rüberbracht,
wos für a Wahrheit, a Effekt
in dera Botschaft drinna steckt,
wos die an Saft und Kraft enthält
für jeden – und die ganze Welt?!
 
Drum mach mer uns etz numol klor,
wos domols wor und wos net wor
an Himmelfahrt, und, liebe Leut,
wos es bedeut‘ – und net bedeut!.
 
Dann kömmers, ohne Rumzueiern verkünden und no schönner feiern!
 
Do derzu werdn, wie sich’s bewährt,
a poor Begriffe etz geklärt
und Bilder, über die su mancher stolpert,
su dass er denkt, der Glaube holpert:
Wos maant nern Wolke und wos Himmel –
is des nerbloß a frommer Fimmel?
 
Und wos bedeutet Himmel-‚Fahrt‘,
wos maana mir ‚mit Freuden zart“,
wos hats mit ‚Spuren‘ do auf sich,
jawohl, des frog ich dich und mich ...
Als erstes nemmer uns, ganz klor,
etz glei amol in Himmel vor! 
 
Vor dreiafuchzig Johr, ungelogn,
ist erstmols aans in Weltraum gflogn,
des wor – denkt zruck amol dahin! –,
des wor – der Juri Gagarin.
Und wie der wieder drunten wor,
frogt nern der Chruschtow, werkli wohr:
„Du, Juri, hast du Gott gesehn?“
„Jawohl“, sogt der, do lässt sich gehn
der Chrutschow, flucht ganz leis und sagt:
„Des hab ich mir doch gleich gedacht,
doch sogs um Himmels Willn net weiter,
mir sin doch Religionsbestreiter!“
 
Der Kennedy, dass ich euchs sog,
der stellt fei dann dieselbe Frog;
der Juri hat si drauf gstellt ein
und sogt, wies Chruschtow gfordert: „nein!“
Und wisst der, wos der Ami gsagt?:
„Des hob a mer doch gleich gedacht,
doch sogs um Himmels Willn net weiter,
sonst wählns mi nimmer, leider, leider;
weil in den USA, mein Sohn,
da hält mer viel vo Religion!“
 
Des Gschichtla find i interssant,
weil klor wird do a Missverstand:
 
Der Himmel Gottes wor no nie
a Ding für die Geographie;
scho in der Bibel, meine Lieben,
steht im Buch Samuel geschrieben,
dass aller Himmel Himmel denna
den großen Gott net fassen könna.
 
Insofern is, des müssmer sehng,
der John F. net ganz falsch gelegn,
wenn Gott er nicht vermut‘ im All;
und Chruschtschow ahnt af jeden Fall,
wenn er a wor ka frommes Lamm:
Gott und der Himmel, des hängt zamm.
 
Klor is, Gott schuf Wald, Tal und Berg,
und Erd und Weltall sind sei Werk;
doch ‚Himmel‘ maant, wos mir gefällt
im Glauben Gottes eigne Welt,
dass er verborgen immer da,
unsichtbar, fern, und doch ganz nah.
 
Ich sog schlicht in dem Denkgetümmel:
Ja, do wo Gott is, is der Himmel;
Drum sog in Zukunft bitte keins:
Gott sitzt auf Wolke Nummer eins,
do nie du ihn zu sehen kriegst,
und wennsd ans End vom Weltall fliegst.
 
Die Wolke – horch halt her etz, Grete! –
die is aa ka Ersatzrakete,
die wo den Jesus – hast’s kapiert? –
ins Weltall naufkatapultiert;
die is weltweit seit alter Zeit
a Sinnbild der Verborgenheit.
 
Ja, dem Verstande – ungelogen –
is Gott geheimnisvoll entzogen,
und doch voran er gnädig schreitet,
sein Volk treu durch die Wüste leitet
in einer Wolkensäule, seht:
verborgen er stets mit uns geht.
 
Wie Jesus auferstanden wor,
do is er vierzig Tog lang, klor,
die Fraun, die Jünger und viel mehr
ganz oft erschiena, bittesehr;
er, der am Leben is net geklebt,
ders hingebn hat für uns, der lebt
 
verwandelt, neu, aus Gottes Kraft
und Geist, der neues Leben schafft.
Des haaßt: Wer liebt und stiftet Heil,
der is net blöd, im Gegenteil,
der sitzt – trotz mancher Trübsalsnebel –
der sitzt zuletzt am längern Hebel.
 
Dann kehrt der Herr zu unserm Glück
endgültig ganz zu Gott zurück
in dessen unsichtbare Welt –
die Jünger des erscht gor net gfällt,
weil die den Sinn no net erfassen
und maana: etz simmer verlassen.
 
Der Jesus obber sogt, wie’s is,
macht seiner Herrschaft sie gewiss:
„Mir ist nach meinem Erdenleben
von Gott jetzt alle Macht gegeben,
und dabei geht es, stark und sacht,
ja, richtig, um der Liebe Macht.“
 
Dann homm die Jünger, wie mer siehgt,
vo ihm glei no an Auftrog kriegt:
„Wos ihr durch mich von Gott erfahren,
des will ER allen offenbaren,
drum geht in alle Welt hinaus
und richt‘ die frohe Botschaft aus!“
 
Des is a, kraftvoll und doch zart,
Globalisierung andrer Art:
Weil Gott uns seine Liebe zeigt,
sind wir einander zugeneigt,
wir könna mitanander teiln
und is Zusammenleben heiln, 
 
mir frogn, und des is echt net schlecht:
wermer die andern aa gerecht,
die Kinder und aa unsre Alten,
der Mutter mit die Sorgenfalten,
doch grodsu unsre Gschwister aa
in Asien und Afrika
 
und drüber naus in aller Welt,
global, net bloß im Blick aufs Geld,
viel mehr denkmer vo früh bis spät
an echte Solidarität.
Do ghört dazu, des möchte i hoffen,
dass unser Land für Flüchtling offen! 
 
Ja, die Probleme sin heut groß,
die Lage scheint oft hoffnungslos
und mir als Christen allemal
sin halt nerbloß a klanne Zahl,
do fühlst di, des is leicht zu fassen,
scho oft allaans und recht verlassen.
 
Doch etzert horcht, wos ich euch sage:
genau in diese miese Lage
auf dem oft trüben Erdenort
spricht Christus sein Verheißungswort,
eh er, wie er zuvor gelehrt,
zurück zu Gott im Himmel kehrt,
setzt gegen Frage, Klage, Plage
sein: „Ich bin bei euch alle Tage,
bis diese Welt zu Ende geht
und ihr in Herrlichkeit mich seht.“
Ja, jetzt, wo er so richtig satt
an Gottes Allmacht Anteil hat,
 
jetzt kann er allen sein ganz nah,
ja, meine Lieben, er ist da
bei dir und mir und uns und macht,
dass uns die Ostersonne lacht
und wir, wenn wir im Finstern stehn
doch noch das Licht der Liebe sehn.
 
Ja, Jochen, Alex, Babs und Chris,
er macht uns seiner Kraft gewiss,
so dass ein Christ, Kind, Frau und Mann,
es weiß, dass uns nichts trennen kann
von Gottes Liebe, die, o Christ,
in Jesus uns erschienen ist.
 
Des hobn zuvor nur die erkannt,
zu seiner Zeit im Heil’gen Land,
die Tausend oder die poor Hundert,
die über ihn total verwundert,
wie ihna freundlich er begegnet,
verkündet, heilt, rät, hilft und segnet.
 
Doch etz, wie gsagt, Mensch, is des fein,
konn er bo alle Menschen sein,
in seinem Wort, mit seinem Geist,
in seinem Mahl, in dem er speist
mit Liebe uns, die uns so not
genau so wie is täglich Brot.
 
Er kehrt zurück – ich hobs vermeldt –
in Gottes unsichtbare Welt,
wofür als Sinnbild – wisst ers noch? –
die Wolke steht, gewiss ja doch,
wos früher, wie heraus wir fanden,
oft wörtlich ward – und falsch – verstanden.
 
Doch mir, mir sin inzwischen gscheiter
und sehn die Wolke tiefer, weiter;
ja, Christus kehrt zurück zur wahren,
zur Einheit, zur unmittelbaren
mit dem Gott, der – mein lieber Christ –
allgegenwärtig mächtig ist.
 
So weit – gibt’s etz zum Fest noch Fragen?
Naa? No, dann konn i Amen sagen.
Doch halt! Es gibt noch was Famoses,
gewissermaßen Kurioses,
des muss i euch no schnell erzählen,
weil sonst tät wos ganz Wichtigs fehlen.
 
Am Ölberg, wo sie zamm worn kumma,
wie der Herr Jesus Abschied gnumma,
do zeigt mer später echt mit Freuden
den schlichten Christen-Pilgerleutern
sei Fußspurn, die sich neigedrückt,
wie er nach oben ward entrückt.
 
Ich find des etz ja eher peinlich:
a Rückstoß is doch unwahrscheinlich,
weil eben Christi Himmelfahrt
ganz gwieß wor ka Raketenstart;
im Boden wor, do bin i stur,
bestimmt vo Jesu Fuß ka Spur.
 
Und doch, die Spuren, blickt mer hin
a bissla tiefer, machen Sinn.
Denn Jesus hat, wos leicht zu fassen,
ja wirklich Spuren hinterlassen
und uns, die ziellos rumgetourt,
den wahren Lebensweg gespurt.
 
In seine Spurn gehn wir sogleich
etz Schritt für Schritt zu auf sein Reich,
sein Reich, wo die Gemeinschaft heil,
wo man vergräbt des Krieges Beil,
wo’s zugeht, und des is doch toll,
gerecht, wahrhaftig, liebevoll.
 
Wenn Streit, tun wir den Friedensschritt,
wenn wer allaans is, geh mer mit,
wenn sich wer freut, teil mer die Freude,
dem Traurigen stehn mer zur Seite,
mit dem in Not, do teil mer eben
statts bloß Almosen – unser Leben.
Und net mit Leichenbittermienen,
na, naa, voll Freude wir ihm dienen,
weil er – etz wassters ja, du Christ –,
weil er der Herr des Lebens ist;
die Herrn der Welt ja alle gehn,
ER kommt, sein Reich, das bleibt bestehn.
 
Im Segen is er einst geschieden,
und segnend schenkt er uns den Frieden,
macht unser Herz, trotz mancher Plag,
getrost und fest an jedem Tag,
und wenn mei letztes Stündla startet,
mit offne Arm er auf mich wartet.
 
Des wors, und etza hör i auf,
schau voller Dank zum Himmel nauf:
Wos unklor wor, is etz geklart:
so is des mit der Himmelfahrt,
und des, des macht mi herzlich froh,
und euch, des hoff i, ebenso!
 
 
 
© by Christian Schmidt
 
 

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 Festpredigt von Dr. Karl-Heinz Röhlin

 in Wilhermsdorf am 2. März 2014 über Psalm 103
 

Liebe Gemeinde,

ich freue mich, dass ich diesen Gottesdienst mit Ihnen heute feiern darf, in dieser wunderschönen Kirche, mit so viel Musik, sogar in fränkischer Mundart. Ihre Pfarrerin hat mir erlaubt, heute so zu reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Frau Jung, das kommt mir sehr entgegen.

Nun ist, wie Sie wissen, Fränkisch nicht gleich Fränkisch. Ein Beispiel: In Nürnberg heißt es: „Bou, wou gäid’s nern hie?“ Junge, wo gehst du hin?“ In Ansbach sagt der Franke: „Bu, wu gesd nern hie?“ Wie sagen Sie in Welhermsdorf? „Bou“ oder „Bu“? Also mein Fränkisch ist eine Mischform. In „Dettelsau“ bin ich geboren, in Ansbach in die Schule gegangen und wohne heute in Nürnberg. Ich spreche also fränkisches“ Esperanto mit labialem L“.

Als Predigttext habe ich zwei Verse aus dem 103. Psalm ausgesucht. Ich lese die Verse zunächst in Hochsprache und dann in Fränkisch:

Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“.

„Mit Leib und Seel will ich den Herrgott lobm und sein heilichn Nooma und droo denggn wos er alles für mich doo hod.

Liebe Gemeinde, gleich mit dem ersten Wort dieses Psalms haben wir Franken Probleme. „Loben“. Das ist ein Fremdwort in Franken. Ich frage jetzt mal die Männer: „Wann haben Sie zum letzten Mal Ihre Frau gelobt?“ „Ist wohl lange her? Sie können sich gar nicht daran erinnern?“

Oder ich frage jetzt mal die Fränkinnen, genauer die Mütter: „Wann haben Sie zum letzten Mal Ihren Sohn oder Ihre Tochter gelobt?“ Die Konfirmanden spitzen jetzt die Ohren? – Lang, Lang ist es her?

Also „Loben“ wurde uns Franken nicht in die Wiege gelegt. Ich erinnere mich an meinen Opa. Ich war da in der dritten oder vierten Klasse in der Grundschule. Meine Mutter hat mich gelobt, weil ich endlich einmal meine Schuhe sauber geputzt hatte. (Damals hat man Schuhe noch geputzt und nicht weggeworfen wenn sie schmutzig waren). Mein Opa sagte dann zu meiner Mutter: „Lob den Buben nicht zu oft, sonst bildet er sich noch etwas ein!“ Das ist schwarze fränkische Pädagogik.

Wenn ein Franke total beeindruckt und begeistert ist von einer Sache ist, dann sagt er zunächst einmal - … nichts. Und wenn er gut drauf ist, dann sagt er: „Passt schon“ oder „Wergli, ned schlechd!“ Manchmal nickt er dabei sogar anerkennend. „Passd scho!“ oder „Ned schlechd“ sind die stärkste Form der Anerkennung, zu der Franken fähig sind.

Beim Loben brauchen wir Franken Nachhilfeunterricht. Die Bibel gibt uns da Entwicklungshilfe. Sie fordert auch uns Franken zum Loben auf. Dazu jetzt eine kleine Übung: Stellen Sie sich jetzt einmal einen Menschen vor, dem Sie etwas Gutes sagen möchten. – Haben Sie dieses Menschen vor Augen? Vielleicht Ihren Mann oder Ihre Frau, den Sohn, die Tochter, einen Kollegen, die Nachbarin, vielleicht auch Ihre Pfarrerin oder den Bürgermeister. Jetzt überlegen Sie, was Sie dieser Person Positives sagen können. Möglichst konkret, freundlich, wertschätzend und anerkennend. Wenn Ihnen das, was Sie sagen wollen, übertrieben vorkommt, dann ist es gerade richtig!

Nun, geht es in diesem Psalm nicht zu allererst um das Lob für die Kinder, die Nachbarin oder die Kollegen. Es geht um das Lob Gottes. Da stellt sich nun die Frage: Braucht Gott denn unser Lob? Ich denke er braucht es nicht, aber wir haben es nötig, Gott zu loben. Gott loben, das ist unser Amt, so das Motto für die Posaunenchöre in Bayern. Aber nicht nur für die Bläserinnen und Bläser. Zu unserem Menschsein gehört die Ausrichtung auf Gott hin. Das war für die Menschen in Israel, in Jerusalem klar: Gott loben, das ist unser Amt.

(Ergänzung: Menschen auf der Schattenseite des Lebens…. z. B. Trauer oder Behinderung)

Die Beter der Psalmen haben Gott gelobt mit Pauken und Trompeten, mit Harfen und mit Zimbeln. Vor allem haben sie gesungen, gesungen, gesungen. „Lob Gott getrost mit Singen!“ Das war übrigens auch unserem Reformator, dem Martin Luther, ganz wichtig. Luther selber hat 34 Lieder gedichtet. Die Musik war für ihn eine „edle Gabe Gottes“. „Wer singt, betet doppelt“, hat er einmal gesagt.

Die Reformation war nicht zuletzt ein Festival der Lieder, eine Singbewegung. 1525 so wird berichtet, hat der katholische Bürgermeister in Lemgo, seinen Stadtschreiber in die Kirche geschickt. Er sollte nachschauen, was die Lutherischen da so treiben. Der Stadtschreiber kam zurück und sagte: „Ei, ei, sie singen schon wieder!“ Daraufhin der Bürgermeister: „Dann ist alles verloren!“ In der Tat ist viel verloren, wenn wir nicht mehr singen und Gott loben.

Vor einigen Monaten lief in der ARD im Fernsehen eine Reihe zum Thema „Glück“. Psychologen, Philosophen und viele kluge Leute haben sich zum Thema Glück geäußert. Die Anke Engelke hat mit einem Musiklehrer extra fürs Fernsehen einen „Muffelchor“ gegründet. Eingeladen waren zu diesem Chor Leute, die sich unglücklich fühlten. Etwa 50 Leute haben sich auf das Inserat in einer Zeitung hin gemeldet. Dann hat der Musiklehrer mit den Leuten vier Monate geprobt. Ein kleines Konzert in der Kölner Philharmonie bildete den Abschluss. Alle Teilnehmer an diesem Chor-Projekt haben erzählt, dass sie sich durch das gemeinsame Singen glücklicher fühlen. Auch die Gemeinschaft hat sie gestärkt. Ein Arzt hat nach dem Konzert von den Sängerinnen und Sängern Speichelproben genommen. Im Speichel der Sänger und Sängerinnen hat er erhöhte Glückshormone festgestellt. Nach der nächsten Kirchchorprobe können sich die Sänger und Sängerinnen ja auch eine Speichelprobe entnehmen lassen. Muss aber nicht unbedingt sein.

„Gott loben, das ist unser Amt!“ Darin steckt eine tiefe Weisheit. Was wir sind und haben, verdanken wir nicht uns selbst, sondern dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Wer Gott nicht loben will oder loben kann, verfällt leicht in Eigenlob, in Selbstlob oder in Hochmut.

-       Dass ich einigermaßen gesund bin, verdanke ich nicht mir selbst.

-       Ja, dass ich überhaupt lebe, verdanke ich nicht mir selbst.

-       Dass wir hier in Frieden und Freiheit Ihr Kirchenjubiläum feiern können, verdanken wir nicht uns selbst.

Als Menschen stehen wir immer auf der Schulter unserer Väter und Mütter. Wir sind eingebunden in die Geschichte. Auch in die Geschichte Gottes mit den Menschen. Diese Geschichte Gottes mit den Menschen hat vor zigtausend Jahren begonnen, mit der Evolution des Menschen. Mit den Menschen, dem Volk Israel hat Gott seinen Bund geschlossen. Propheten und Könige und Evangelisten berufen. In Jesus Christus hat er seine Liebe und seinen Willen gezeigt. In der Taufe wurden wir beim Namen gerufen und in diese Geschichte Gottes mit den Menschen hineingezogen:

„Siehe, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein….“

300 Jahre Geschichte Gottes in Wilhermsdorf, daran erinnert ihr Jubiläum. Ab 1714, und schon früher, hat das Evangelium die Herzen der Menschen berührt. Viele von Ihnen wurden hier in dieser Kirche getauft und in die Geschichte Gottes mit den Menschen hineingezogen.

Vielen von Ihnen wurden in dieser Kirche konfirmiert und persönlich gesegnet. Manche von Ihnen wurden vor diesem Altar getraut und haben ihre Ehe bewusst vor Gott begonnen. Irgendwann, werden wir alle ausgesegnet, in der Hoffnung darauf, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann, auch der Tod nicht.

„Mit Leib und Seel will ich den Herrgott lobm und sein heilichn Nooma.“

Im 2. Vers des 103. Psalms steht die Aufforderung, nicht zu vergessen, was Gott uns Gutes getan hat: „Alles in mir soll droo denggn, wos der Herrgott Gudes für mich doo hod.“ Auch dieser zweite Vers erwischt uns Franken und wohl auch die Nicht-Franken auf dem falschen Fuß. Das Gute, das Gelungene, das Positive sollen wir erinnern und doch tun wir oft das Gegenteil:

Wir erinnern, was schief gelaufen ist:

-       Schief gelaufen in der Geschichte der Kirche

-       Schief gelaufen in der Geschichte der Gemeinde und Kommune

-       Schief gelaufen in unserem eigenen Leben

-       Schief gelaufen in im Leben unserer Kinder

Fehler und Fehlverhalten, Schuld sollen wir gewiss einsehen und eingestehen. Nicht wegschieben oder verdrängen. Nur so lernen wir aus unserer eigenen Lebensgeschichte. Aber wir sollen das Negative nicht meditieren und umkreisen. Das zieht uns hinunter wie in einen dunklen Strudel und fördert die dunklen Gedanken. Der 103. Psalm empfiehlt ums das Gute und Gelungene anzuschauen. Denk daran, vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat. Und auch hier lade ich Sie zu einer kleinen Übung ein, mit der Frage:

-       Wofür sind Sie besonders dankbar in Ihrem Leben?

-       Woran erinnern Sie sich gern?

-       Welche Menschen treten da vor Ihr inneres Auge?

-       Welche Erfolge und glücklichen Stunden?

Die Bibel lädt zur dankbaren Erinnerung ein: „…vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Ihre Kirchengemeinde hat in den vergangenen drei Jahrhunderten viel Gutes erlebt. Feste feiern dürfen, Jubiläen, im wahrsten Sinne des Wortes „Hoch-Zeiten“. Wofür können Sie als Kirchengemeinde dankbar sein?

-       Für viele, viele Ehrenamtliche in 300 Jahren: Kirchenvorsteher, Kirchenpfleger, Chorleiter, Organisten und Organistinnen, Jugendleiter.

-    Für viele tüchtige Pfarrer und Pfarrerinnen. In der Sakristei habe ich Ihre Bilder gesehen und Ihre Namen gelesen. Mir fällt auf, dass Ihre Pfarrer lange in Ihrer Kirchengemeinde geblieben sind. Ein gutes Zeichen!

-    Wofür können Sie dankbar sein?

-    Für das gute Miteinander zwischen Kirche und Kommune, und der Kirchen untereinander; für gute finanzielle Möglichkeiten und zahlreiche Spenden.

-       Für den Heimatverein und seine vielfältigen Aktivitäten.

-       Für den Festausschuss der das tolle Festprogramm für das Jubiläum ausgearbeitet hat.

„Mit Leib und Seel will ich den Herrgott lobm und sein heilichen Nooma und droo denggn, wos er alles für mich doo hod.“

Zu Ihrem Jubiläum wünsche ich Ihnen, dass Sie die Menschen und Gott gerne loben und sich dankbar daran erinnern, was er Ihnen geschenkt hat.

Amen.

 

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Predigt von Dekan Ewelt zum Fest der Erscheinung des Herrn / Epiphanias

am 6.1.2014 in Wilhermsdorf zur Eröffnung des Festjahres "300 Jahre Hauptkirche Wilhermsdorf

 

Predigttext:

2.Kor 4,3-6 (Aus einer modernen Übersetzung( Hoffnung für alle):)

Die Botschaft, dass Jesus Christus unsere Rettung ist, bleibt nur für die dunkel, die verloren sind.

Diese Ungläubigen hat der Herrscher dieser Welt so verblendet, dass sie das helle Licht dieser Botschaft und die Herrlichkeit Christi nicht sehen können. Und doch erkennen wir Gott selbst nur durch Christus, weil Christus Gottes Ebenbild ist.

Nicht wir sind der Mittelpunkt unserer Predigt, sondern Christus, der Herr! Wir sind nur eure Diener, aus Liebe zu Jesus.

Denn so wie Gott einmal befahl: "Licht soll aus der Dunkelheit hervorbrechen!", so hat sein Licht auch unsere Herzen erhellt. Durch uns sollen nun alle Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus aufstrahlt.

[Kerze auf der Kanzel entzünden]

Liebe Gemeinde!

Licht soll aus der Dunkelheit hervorbrechen!

Licht – ja: Licht in dieser lichtarmen Zeit. Licht, das ist gut, liebe Gemeinde, das tut gut. Es gibt ja Menschen, die zählen die Tage, bis es Anfang Februar abends wieder etwas länger hell bleibt – und andere erleiden die lichtarme Zeit förmlich, werden depressiv.

Meine Mutter legt sich in jedem Jahr im Februar in die ersten warmen Sonnenstrahlen und man hat, wenn man sie beobachtet, das Gefühl, das Leben kehrt zu ihr zurück. Und wie oft haben wir uns selber schon mit dem Gesicht zur Sonne und mit geschlossenen Augen hingestellt und Wärme und Licht getankt?

Gut, wenn wir am Anfang des großen Wilhermsdorfer Festjahrs also vom Licht reden. Epiphanias ist ja das Lichterfest. Und auch das Jubiläum dieser Kirche hat mit Licht und Lichtern zu tun. Im wörtlichen Sinn mit hunderttausenden von Kerzenlichtern, die hier seit 300 Jahren gebrannt haben. Und übertragen das Licht des Evangeliums, der frohen Botschaft, wovon in dieser Kirche immer verkündet wurde und auch die nächsten 300 Jahre verkündet wird.

Gott hat es geschaffen, das Licht, damals, als die Schöpfung noch jung ist, gleich im Anfang. Und Er hat’s gesehen und es war sehr gut. – Die Erde, ganz jung noch und in Seinem Licht: Können Sie sich vorstellen, wie das damals gewesen sein mag? Manchmal jedenfalls? Ich wünsche Ihnen die Augen, die Phantasie, dieses schöne Bild des Anfangs. So wie wir uns im Festjahr den Anfang dieser Kirche immer wieder ins Bewusstsein holen werden. Wie hat das damals angefangen?

Manchmal ist noch etwas von dem ersten Licht Gottes zu spüren an einem Morgen, früh, Tau auf dem Gras, Vogelgesang, die Sonne kommt über die Berge und die Welt ist noch ganz still; doch dann kommt der Rest vom Tag so, wies immer ist, nicht mehr so paradiesisch.

Manchmal sehen wir auch ein Bild davon in Prospekten der Reisebüros mit weißem Strand und Palmen, wenig Menschen; oder Bilder aus den Bergen mit majestätischem Panorama. Und manchmal entsteht sogar Urlaub vom Alltag an so einem Ort: Ich sinke in so ein Bild hinein, ein Tagtraum nur für Sekunden, oder jemand ist wirklich ein, zwei Wochen dort – Doch danach wieder Alltag und der Glanz dieser Zeit wie im Paradies verfliegt im Alltagsgrau.

Bei manchen Menschen verfliegt er so sehr, dass sie den Durchblick verlieren, andere werden zu Schwarzsehern und sagen: „Da kann nun nicht mehr viel kommen ..“ – bei lebendigem Leib lebensmüde.

Uns geht’s ähnlich wie den Menschen damals, lange vor unserer Zeit. Dem „Siehe, es war alles gut“ und Adam und Eva, folgt das Misstrauen mit dem Biss in die Frucht vom Baum der Erkenntnis, denn: „Vielleicht hat’s Gott ja doch nicht so völlig gut mit uns gemeint, wenn er uns genau die Frucht vorenthält, die uns klug macht wie Gott.“

Denen folgen Kain und Abel und Mord und Totschlag. Und das ganze pralle Leben jenseits von Eden.

Aber manchmal eben doch ein Hauch von Eden über dieser Schöpfung, manchmal – auch wenn der wieder vergeht: „Hier ist es gut sein, hier lass uns Hütten bauen.“ So Petrus damals bei der Verklärung – und die Sehnsucht bleibt ..

Auch der Bau eines solchen Gotteshauses ist so eine Sehnsucht. Jemand ist wohlhabend, wie die gute Barbara, deren sterbliche Überreste hier liegen, oder engagiert genug, wie Architekt Kreissig und möchte Gott einen Raum schaffen und dem Glauben – dem eigenen Glauben und dem der Leute. Und es sollen majestätische, paradiesische Zustände in diesem Raum sein, ganz anders als daheim, ganz anders als im Alltag. Und wenn dann diese Kirche fertig gestellt ist, dann kommen die Sonntagsgefühle.

Wenn wir nicht abgestumpft sind von der sonntäglichen Wiederholung dann spüren wir das auch hier in diesem Gotteshaus. Ist hier nicht das Licht Gottes zuhause? Ist es hier nicht ganz anders als daheim? Ein unglaublich hoher Raum, eine ganz andere Raumaufteilung, orientiert hin zu Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist, goldverziert und strahlend wie das Licht, geschmückt, mit niedlichen Engeln und mächtigen Säulen und mit Schmuck und baulichem Zierrat, den sonst niemand von uns daheim hat. Ja, hier ist ein besonderer Ort. Hier hat Gottes Licht seinen sonntäglichen Platz, uns wieder Lebenskraft für die Woche zu geben.

Oft ist dafür keine Zeit, oder die Leute beten lieber daheim, oder in einem normalen Raum. Gottesdienst ist kein Teil des Lebens mehr und so geht diese Symbolik, die einer Barbara noch Lebenselexier gewesen ist, verloren.

Und weil das reine Licht der Schöpfung fehlt und die Sehnsucht nach Licht bleibt, haben wir uns Licht geschaffen. Viel Licht – und jedes Jahr mehr Licht. Damit wir den Weg im Leben nicht verlieren. Damit wir wissen, wo es lang geht. Damit wir unsere selbstgesteckten Ziele nicht aus den Augen verlieren – und weil dunkel Angst macht. Und leben der eigenen Nase nach: Noch nie war die Erde so glitzernd hell erleuchtet und trotzdem so dunkel wie jetzt.

Damals hat Gott sich das noch eine ganze lange Weile so angeschaut. Die ganzen Erzählungen des Alten Testaments sind voll vom Gott der Barmherzigkeit und der Liebe und der Nachsicht und Geduld, der Trotz der ganzen Schande, die Ihm angetan wird, jenseits von Eden mitgeht, führt, rettet – bis Er’s nicht mehr tut. „So: Nun seht selbst, wohin Ihr mit Euren Erleuchtungen kommt, mit Euren kleinen Lichtern, mit Eurem Leben immer der eigenen Nase nach, mit dem Ihr die Welt und Euch zum Ziel bringen wollt ...“

Und wohin sind wir gekommen? Bis ins 21. Jahrhundert, ja. – Aber um welchen Preis!

Wiederum greift Gott ein. Lange vor uns. Ganz klein der Anfang, ein Kind draußen vor Bethlehem auf dem Feld und in einer Krippe. Die meisten haben das neue Licht gar nicht mitbekommen – was soll denn schon aus Bethlehem kommen, wo liegt das überhaupt? Dabei liegt es ganz nah bei Wilhermsdorf, die Leute wissen das nur nicht mehr.

Gott hätte es das alles größer und heller machen können: Tusch – Auftritt im Purpurmantel – Trara: Schaut her – ich bin’s. Wobei: Den Purpurmantel hat Er schon getragen hat, der Gottessohn, zu einer anderen Zeit.

Aber: Hätten Menschen den lebendigen Gott ausgehalten? Wär’s ihnen, mir nicht eher gegangen wie Jesaja, der angesichts der Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes nur noch rufen kann: „Weh mir, ich vergehe!“

Außerdem: Gott braucht das nicht. Gott ist Gott. Er muss sich nicht erst beweisen. Sich selbst nicht. Uns schon gar nicht. Und wenn, dann nicht als Gott der Macht und Gewalt. Genau der will Er ja nicht für uns sein.

Vielmehr: Dann hat der gelebt, der das Licht der Welt ist. Und da gab es schon welche, die durch ihn Durchblick gewonnen haben und nun wussten, wie Gott es meint, dass Er Leben will und heil macht und Gemeinschaft mit Menschen sucht, dass er in unsere Haut geschlüpft ist um mit uns zu leben, zu lachen, zu leiden, dass die Liebe nicht mehr als eine Krippe braucht – damals wie heute. In einem Stall wie in einem Leben. Dass Gott in uns wachsen will. Und die sind ihm quer durch die Zeiten auf der Spur geblieben, dem Gott, der sich in Seinem Sohn so offenbart hat.

Und deswegen feiern wir heute – nicht die heiligen drei Könige, das sind ja selbst nur suchende Menschen so wie Sie und ich – deshalb feiern wir heute das Erscheinungsfest (so heißt das auf evangelisch): Weil uns die Liebe Gottes erschienen ist. Weil sie uns neben dem ganzen anderen Gelichter dieser Welt einen hellen Schein in die Herzen gegeben hat, ein Licht, mit dem ein Mensch leben und auch sterben kann und Zukunft hat, weil wir – manchmal jedenfalls, wenn wir dem Licht in unseren Leben und zwischen uns Raum geben – „Erleuchtete“ sind, Menschen, die wissen, wo Leben herkommt, wo es hingeht und wie das gemeint ist mit dem Leben und dass Leben ein Ziel hat, bei Gott.

Und solche erleuchteten Menschen haben sich Räume für dieses Licht und die Anbetung gesucht und geschaffen und gebaut. Ein solcher Raum des Lichtes und der Anbetung ist die Hauptkirche zu Wilhermsdorf vor 300 Jahren geworden. Bis heute eine bleibende Einladung, dieses Licht zugesprochen zu bekommen fürs eigene Leben, besonders dann, wenn es gar nicht gut läuft, wenn ich mich allein fühle, wenn alles dunkel erscheint.

Menschen sind diesem Licht auf der Spur geblieben. Und bleiben Ihm auf der Spur: es ist Gott. Sie und ich heute früh sind auf dieser Spur. Und, das gebe Gott, morgen wieder: Wir suchen nach dem, was hinter den leuchtenden und glitzernden Fassaden echt ist, wir suchen Gott, seine Gegenwart. Und wir sprechen davon.

So, wie Paulus das schreibt:

„Denn so wie Gott einmal befahl: „Es werde Licht!“, so hat er auch die Finsternis in uns durch sein helles Evangelium vertrieben. Durch dieses Evangelium sollen alle Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus sichtbar wird.“ – Und exakt das ist unser Auftrag. Dann jedenfalls, wenn wir Gott ernst nehmen, und uns selber und das Licht.

Wir erleben es hier und tragen es durch die Woche des Alltags in unseren Herzen. Wir stehen dadurch fürs Leben ein und für das Licht, dass Er, Gott selbst, uns gebracht hat.

Im ersten Schöpfungstag hat es begonnen und noch mehr, viel mehr, in Christus, dem Kind in der Krippe, dem Menschen, in dessen Gegenwart Leben aufblüht und in dem gekreuzigten Auferstandenen.

Für den will ich stehen und Gottesdienste feiern. Für Sein Licht, den Christus. Heute. Hier in dieser Kirche. Und – das gebe Gott – auch morgen wieder in meinem Leben und am nächsten Sonntag wieder hier. Und natürlich das ganze festliche Jahr über.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.


 

 

 

 

 

 

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